Sielmanns Natur-Ranger
Deutschland e.V.

Die Jugendorganisation der Heinz Sielmann-Stiftung

Bundesprojekt: Fledermaus

Sie fliegen mit Ultraschall durch die Nacht, die kleinsten von ihnen haben in einer Streichholzschachtel Platz, sie bieten den besten Insektenschutz, und durch einige südamerikanische Verwandte sind sie völlig zu Unrecht in Verruf gekommen: Die Fledermäuse.
Laut chinesischen und japanischen Weisen kannst Du Dich glücklich schätzen, wenn Du in der letzten Zeit eine dieser Kobolde zu Gesicht bekommen hast. Gesundheit, Reichtum, Glück und ein langes Leben sollen sie verheißen!

Erst nach der Entdeckung von Ultraschall und Echolot ist klar, daß auch hier die Natur dem Menschen wieder einen Schritt voraus war. In der heutigen Zeit kommt Ihnen eine weitere Bedeutung zu: Keine chemische Käule ist so effektiv wie die nächtlichen Insektenjäger, und Biologen versichern: Wo Sie eine Vielzahl von Fledermausarten antreffen, da ist die Natur noch in Ordnung. Die Fledermäuse sind neben Vögeln und Spinnen die wichtigsten Insektenvertilgern. Fledermäuse verlassen ihre Quartiere in der Dämmerung. Vögel machen tagsüber und Fledermäuse nachts Jagd auf "Schadinsekten". Somit teilen sich unter anderem Vögel und Fledermäuse sehr geschickt ihre Aufgaben.

Natur-Ranger und die Fledermäuse

Ziel unseres ersten Bundesprojektes ist es Kinder, Jugendliche und Erwachsene für eine seltene und vom Aussterben bedrohte Tiergruppe zu begeistern und sie zum aktiven Schutz dieser faszinierenden fliegenden Fellbündel zu motivieren. Eine umfassende Fledermausdetektivausbildung in der sich die Teams in verschiedene Themengebiete wie Aussehen und Bestimmen von Fledermäusen, Fledermausquartiere, Nahrungsgebiete und Jagdstrategien einarbeiten können, bildet die Grundlage des Projektes. Anschließend soll eine Fledermausumfrage in Dorf oder Stadt sowie in der Schule klären, was andere Menschen über Fledermäuse wissen und wo es möglicherweise Fledermäuse in der Umgebung der einzelnen Natur-Rangerteams gibt. Schließlich geht es mit Ultraschalldetektor und Rotlichtscheinwerfer auf die Suche nach Fledermäusen. Welche Fledermausarten kann man entdecken? Lassen sich Fledermäuse in verschiedenen Jagdgebieten oder vielleicht beim Ausflug aus ihren Quartieren beobachten? Da Fledermäuse zu Unrecht ein schlechtes Image besitzen gehört die Öffentlichkeitsarbeit zu einem der wichtigsten Schwerpunkte des Fledermausprojektes. Ein Fledermausvortrag mit anschließender Fledermausexkursion gibt den Besuchern einen Einblick in die spannende Lebensweise dieser nächtlichen Insektenjäger und die anfängliche Skepsis weicht der Faszination.
 

Die Fledermäuse in Deutschland

Die über 20 Fledermausarten sind alle in ihrem Bestand gefährdet und vom Aussterbenbedroht. Die Fledermäuse sind zwar schon seit 1936 gesetzlich geschützt, aber trotz dieses Schutzes sind sie heute mehr denn je vom Aussterben bedroht. Leider kann man sie auch schon an manchen Stelle als ausgestorben bezeichen. Hier zeigt es sich ganz deutlich, daß Gesetze nicht viel bringen. Gezielte und großflächige Konzepte zum Schutze der seltenen Tierart würde den Erhalt und den Aufbau des Bestandes in Deutschland unterstützen.

Fledermäuse sind zahlenmäßig die zweitgrößte Gruppe innerhalb der Säugetiere. Die Fledermäuse sind aber auch die einzigen Säugetiere, welche aktiv fliegen können. Der Ausdruck Mäuse ist irreführen, den sie führen den wissenschaftlichen Namen Chiroptera, was so viel heißt, wie Handflieder. Auf allen Kontinenten der Erde, bis auf die Arktis, sind sie zu Hause. In Deutschland sind knapp über 20 nachgewiesen, in Europa kommen wir schon auf 30 und weltweit gibt es 900 Arten.

Fledermäuse hängen nicht nur in alten Dachstühlen. Sie haben ihre Quartiere auch in alten Bunktern, in Mauerwerken von Häusern und in Hohlräumen von Bäumen. Ein bekanntes Beispiel für eine "Baumfledermaus" ist die Bechsteinfledermaus in Häusern trifft man oft auf das Mausohr und im Wald kann man oft den großen Abendsegler beobachten. Ihre Quartiere sind meist nach Süden gerichtet, da sie wärmeliebende Tiere sind. Lichte, sonnige Stellen an Forstwegen, Windwurf- oder Kahlschlagsflächen, ruhige Alleen, größere Gärten, Friedhöfe und viele mehr eignen sich als Lebensraum zum Aufhängen von Fledermaushöhlen. Beim Aufhängen von Fledermaushöhlen sollte man aber auch an den freien Anflug denken.

Fledermaus
Im September verlassen die ersten Fledermäuse ihre Sommerquartiere und ziehen sich in Ihre Winterquartiere zurück. Weil Fledermäuse sehr empfindlich sind, sollten Renovierungsarbeiten, Umbaumaßnahmen an Fledermausquartieren in Häusern oder auch das Reinigen von Fledermaushöhlen erst dann stattfinden. Fledermäuse übernehmen eine wichtige Funktion bei der biologischen "Schädlingsbekämpfung". Der Nahrungsbedarf von Fledermäusen ist sehr groß. Durch wissenschaftliche Untersuchungen weiß man, daß größere Fledermäuse im Verlauf eines Sommers bis zu einem Kilo Insekten vertilgen. Das entspricht immerhin einer Menge von einer halben Million Insekten. Nach den Untersuchungen des russischen Zoologen Korskof heißt es, daß beispielsweise eine einzige Wasserfledermaus vom 15. Mai bis 15. Oktober ca. 60.000 Mücken vernichtet.
X