Insektenhotel

„Ein Haus für Insekten?“
Das war zunächst einmal Neuland für die meisten Teilnehmer unseres Teams. Das Team Sachsenhagen war bei ihrem Treffen in der Wildtierstation mit Eifer dabei, mehr über die Welt der Hautflügler, zu den Wildbienen und Wespen gehören, zu erfahren. Wildbienen und Wespen sind in unseren Gärten sehr wichtig.
Wildbienen ernähren sich vom zuckerhaltigen Nektar und dem Pollen der Blüten. Bei ihrer Sammeltätigkeit bestäuben sie nebenbei Blüten, die hierdurch Samen und Früchte bilden können So bildet die Wildbiene die Nahrungsgrundlage vieler Tiere. Dem gegenüber stehen die Wespen. Die erwachsenen Wespen ernähren sich auch von zuckerhaltigen Säften, sind aber nicht so wählerisch wie die Bienen. Für die Aufzucht ihrer Brut benötigen sie tierisches Eiweiß. Sie erbeuten mit Hilfe ihres Stachels Insekten, wie Käferlarven, aber auch Spinnen und andere Kleintiere. Sie sind also wichtig für eine ausgewogenes Ökosystem.

Viele dieser Wildbienen und Wespen leben alleine (solitär), das heißt sie sorgen ganz alleine für ihren Nachwuchs. Einige dieser solitären Wildbienen und Wespen nutzen für ihre Brutzellen hohle oder markerfüllte Pflanzenstängel, verlassene Bohrgänge von Käfern, nisten in morschen Holz oder nagen ihre Niströhren selber.

Das Überleben wird für diese Insekten aber immer schwieriger. Alte Zäune und Scheunen mit ihrem mürben Holz verschwinden, im Spätherbst werden in vielen Gärten verblühte Pflanzen ordentlich bis zum Grund abgeschnitten und auf den Kompost gebracht. So fehlen den Insekten geeignete Brutplätze.
Doch Nisthilfen für Insekten lassen sich mit einfachen Mitteln herstellen.

Schilf- und Strohbündel, Holzblöcke mit unterschiedlich dicken Bohrungen sowie Lochziegel bieten Unterschlupf und Nistmöglichkeiten. Wir bauten gleich eine Nobelversion mit vielen Fächern, die unterschiedlich bestückt werden können und mit einem Schaukasten, in dem sich Glasröhrchen befinden, so daß wir die fertigen Brutzellen und die Entwicklung der Bienen beobachten können.

Als wir das Projekt Insektenhotel begannen, wollten wir auch ein Nahrungsangebot für die Wildbienen schaffen und haben deswegen direkt neben das Insektenhotel eine kleine Wildblumenwiese angelegt. Nachdem wir im ersten Jahr eine Wildblumenmischung aus dem Baumarkt verwendet hatten (ist zwar billig, aber nicht empfehlenswert, da viele ausländische Pflanzensamen eingemischt sind), legten wir das Beet im zweiten Jahr komplett neu an und verwendeten eine Saatmischen mit ausschließlich einheimischern Arten (teuer und beim Nabu erhältlich). Lange zeigte sich nicht ein Halm, aber im Juni blühte die Wiese dann prächtig. Und das Beste: es wachsen nur einheimische Arten (Foto zeigt die Gruppe um das Beet im Juli).


Seit 2,5 Jahren steht nun unser Insektenhotel und wurde jedes Jahr erweitert. Am Anfang hatten wir überwiegend Schilf- und Bambusröhrchen. Die in Holzblöcke gebohrten Löcher hatten alle ungefähr den gleichen Durchmesser. Die Rückwand wurde mit einer Lehm/Strohschicht versehen. Später versahen wir die Fächer auch mit hohlen und markerfüllten Pflanzenstängeln (vor allem Holunder). Bei einem Aktionstag mit Frank machten wir viele Tonklötze mit unterschiedlich dicken Löchern. Mehrere Röhren hatten den Durchmesser eines Holzbienen-"Popos". Frank hatte extra ein verstorbenes Exemplar mitgebracht, an dem wir messen konnten !

Zusätzlich versahen wir unsere Holzklötze mit ganz vielen winzigen Bohrungen. Das Ganze hatte wirklich Erfolg. Wie wir an dem unterschiedlichen Verschlußmaterial erkennen konnten, hatten wir im nächsten Jahr ganz viele neue Arten angelockt. Die neue Generation schlüpft in diesem Jahr. Wir sind schon sehr gespannt.
Am fantastischen sind die Glasröhrchen. Man kann den Entwicklungszyklus der Wildbienen super sehen und erklären. Manchmal sieht man aber auch einfach ein Fliege oder Wildbiene darin schlafen. Auch eine Spinne war vorübergehend dort eingezogen.

Aus Ton haben die Ranger ein Schild angefertigt, das nun zeigt, wer hier im Insektenhotel wohnt.

Aus den vielen tollen Fotos, die wir dort machen konnten, hat Dagmar dann eine Infotafel über die Besucher des Insektenhotels erstellt. Insektenhotel und Infotafel stellen jetzt einen Teil des Naturlehrpfades der Wildtierstation dar.




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