Weinachtsschmuck, Stärkungstrank und „Abführmittel“

Interessantes aus den Familienkreisen von Faulbaum bis Matetee und „Einem, der sie alle verspeist!
Weihnachtsschmuck
Weihnachtsschmuck
Der Faulbaum ist den meisten Waldspaziergängern oder „Gernevielwissern“ sicherlich bekannt. Der Faulbaum (Frangula alnus), der zur Familie der Kreuzdorngewächse gezählt wird, wächst gerne an relativ schattigen Waldrändern - häufig auch gemeinsam mit Nadelbäumen, wie Fichte und Tanne - da er frischfeuchte Bodenbedingungen mag und auch gerade die leicht sauren Böden, wie sie unter Nadelbäumen oft vorherrschen, nicht ablehnt! Der Faulbaum (Bild links) trägt seinen Namen übrigens wegen des „fauligen Geruchs“ seines Pflanzensaftes, der bei Verletzungen an Zweigen und Blättern austritt. Als „Kreuzdorngewächs“, dessen „Bruder“ der „Purgierstrauch“ =Kreuzdorn ist (Bild rechts), erfreute er sich ebenso als leicht giftiges aber wirksames Abführmittel einer mehr „unerfreulichen Beliebtheit“. Mehr als über die medizinische Wirkung freuen wir uns am Faulbaum wohl über die Raupen des Zitronenfalters. Der „Nackt-Flügel der Kreuzdorngewächse“ (Gymno pteryx rhamni) legt seine Eier bevorzugt an die Unterseite von dessen Blättern!

Entfernt den Blättern von Kreuzdorn und Faulbaum ähnlich finden wir beim Waldspaziergang oder im Park an sonnigen Stellen auch das Pfaffenhütchen (Euonymus europeaus). Auch die Früchte des Pfaffenhütchen sind für uns giftig! Wegen seiner spektakulären Präsentation der vierkammerigen, aufplatzenden, rosafarbenen Früchte, die einer Bischofsmütze entfernt ähneln kommen auch hin und wieder Vergiftungen von Kindern vor. Das Pfaffenhütchen wird in die Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae) gestellt. Sein festes Holz war für Europäer ebenfalls durch seine feine Maserung als wertvolles Schnitz- und Drechselholz beliebt.

Die abschließend vorgestellte Stechpalme aus der Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae), (einer „Nachbarfamilie der Spindelbaumgewächse), erfreut uns in der Weihnachtszeit mit wunderschönem Weihnachtsschmuck. Auch ihr langsam wachsendes festes Holz steht bei feinen Holzarbeiten hoch im Kurs. Zu den Stechpalmengewächsen zählt übrigens auch der passende Matetee, der eine kräftige, belebende Unterstützung in der kalten Jahreszeit bietet. Wegen der immergrünen Blätter, die durch ihre Stacheln gut geschützt werden, galt und gilt die Stechpalme als Symbol der Fortsetzung des Lebens auch im Winter des Überlebens der Seele nach dem körperlichen Tod! – ähnlich dem win- terlichen „Tannenbaum“! Die Stechpalme ist übrigens (wie der Besenginster) ein sogenanntes „Atlantisches Flotrenelement“. Das bedeutet, dass sie in wintermilden Regionen des Atlantik gedeiht und kontinentale, kältere Frostperioden und tiefe Temperaturen nicht mag. Ihre Verbreitungsgrenze im Osten verläuft fast genau in nord-südlicher Richtung und liegt in der Nähe von Berlin, da nur „milde, feuchtere Winter“ sicher überdauert werden.
 
Nun zum verbindenden Element zwischen „Weihnachtsschmuck“, „Spindelstrauch“ und unserem anfangs erwähnten „Faulbaum“: Das ist der Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus)!

Dieser hell-silbrige, auf der Unterseite beinahe weiß gefärbte Falter ist kaum mit anderen Bläulingen zu verwechseln – seine Raupen ernähren sich von einer Vielzahl von sonst eher verschmähten Futterpflanzen: Faulbaum, Kreuzdorn, Spindelstrauch, Stechpalme und sogar Efeu sind seine Leibspeisen! Die Eier der Ersten Generation dieses Falters finden wir an Kreuzdorn und Hartriegel, die Eier einer zweiten Generation eher an Faulbaum oder auch an der Stechpalme. Die Eier werden, wie bei sehr vielen kleinen Schmetterlingen an die zarten Blüten angeheftet, so dass wohl die Zeit der jeweiligen Blüte mit dem Auftauchen der Elterngeneration über die jeweils bevorzugte Fraßpflanze des polyphagen Falters mit entscheidet. Der hübsche Faulbaum-Bläuling ist daher häufig, doch wird er auch oft übersehen, da er nicht so sehr an den blütenreichen Blumenwiesen seine Futterpflanzen aufsucht, wie die Verwandtschaft! An Waldwegen, feuchteren Säumen und Lichtungen – auch in einem Waldgebiet können wir Ihn aber vielerorts beobachten! Die Raupe des Faulbaum-Bläulings ist eine typisch geformte Bläulingslarve, die aber einige skurril anmutende „Bürstenhaarbüschel“ mit sich trägt! Es lohnt sich also, wie immer, auch „Weihnachtsschmuck“, sowie schlechter duftende Faulbäume oder Efeu unter die Lupe zu nehmen. Hartriegel oder Blutweiderich sind als Raupenfutterpflanzen dieses Falters übrigens auch bekannt.

Viel Spaß beim Beobachten!

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