Kleine Eulologie

Eulen faszinieren die Menschen bereits seit Jahrhunderten – Ihre großen, nach vorne gerichteten Augen und Ihre Nachtaktive Lebensweise lassen sie teils „menschlich“ teils sehr unheimlich auf uns wirken. Die etwa 180-190 bekannten Eulenarten unserer Erde verteilen sich auf alle Kontinente. In Europa sind 13 Arten – in Deutschland etwa 8-9 Arten als Brutvögel bekannt.
Seit der Antike gelten Eulen zudem als Symbole der Weisheit aber auch der Magie. Während des Mittelalters stellte man die Eulen als „verteufelte Vögel“ in der Nähe von Hexen und Zauberern dar. Selbst heute werden Käuze (Steinkauz) wegen ihres angeblichen Totenrufes „Kiwuitt“ – als „Komm mit“ (ins Totenreich) gedeutet - manchmal leider gehasst und vom Menschen sogar verfolgt. Langsam wandelt sich der Blick auf die Eulen aber wieder.

Genau so, wie die Fledermäuse verändert sich Ihr Image und wir erkennen sie zunehmend als die interessanten Unbekannten aus der ländlichen Nachbarschaft. Harry Potters Schneeeule und der Bartkauz seines Freundes Ron haben vielleicht dazu beigetragen! Eulen sind tatsächlich interessante Tiere, sie sind nachtaktive Jäger und haben mit der Anpassung an diese ökologische Nische einige „Tricks“ entwickelt, die Sie erfolgreich machen:
 

Federn

Eulen können dank bestimmter Strukturen ihrer Federn nahezu lautlos fliegen! Kleine Fransen an den Enden der Federästen bewirken, dass sich keine geräuschvollen Luftwirbel bilden können.

Gehör

Sie besitzen ein vorzügliches Gehör und können selbst feinste Geräusche aus großer Entfernung richtungsgenau orten. Dabei wirken harte Federn im Gesichtsbereich als schallverstärkende Hohlspiegel. Du kannst das selbst ausprobieren, indem Du Deine Hände jeweils mit den Handflächen nach vorne halbkreisförmig um Deine Ohren legst!

Schädel

Weil die Ortung der Beute um so besser funktioniert, je weiter die Ohren auseinander liegen, wandern selbst die Gehörgänge im Knochenschädel der Eulen so weit wie möglich auseinander: Dabei rutscht das eine Ohr am Schädel nach oben, das andere Ohr „rutscht“ nach unten! Um sich auf die eigene Wahrnehmung mit solchen Ohren zu trainieren, drehen junge Eulen so häufig den Kopf – sie trainieren ihre Wahrnehmung und stimmen das Gehörte mit dem Gesehenen ab!

Augen

Eulen können mit ihren recht starren Augen auch in der Nacht mit wenig Licht auskommen – sie jagen daher besonders gern in der Dämmerung! Die Augen sind als Restlichtverstärker konstruiert und sammeln mit einer überdimensionierten vorderen Linse das Licht. Damit die Augen überhaupt noch in den Kopf passen, sind sie innen etwa birnenförmig verschmälert! Klar, dass sie daher kaum zu drehen sind! Während die Augen recht starr sind, können sie den Kopf um etwa 270° drehen – das sind „Drei Viertel“ einer vollen Umdrehung! Wie bei allen Jägern, sind die Augen der Eulen stärker nach vorne gerichtet damit sich die Sehfelder der beiden Augen weiter überschneiden.

Gewölle

Eulen verdauen ihre Beute – meist Kleinsäuger oder auch manchmal kleine Vögel nicht vollständig. Sie spucken den Rest als sogenannte Gewölle wieder aus. Schleiereulen haben oft bevorzugte Ruheplätze, an denen man die Gewölle sammeln und damit auch etwas über die Beute der Tiere erfahren kann! Besonders viele Gewölle kann man auch von der einheimischen Waldohreule sammeln, wenn diese im Winter gemeinsam in kleinen Gruppen von vier bis 20(!) Tieren oft in der Nähe der Siedlungen zum Mäusefang auf den Feldern verbringen!

Übrigens: Wenn Eulen gut oder schlecht gelaunt sind, zeigen sie das durch die Form ihrer „Gesichtsmaske“ – so nennt man den kreisförmigen Kranz von Federn, die sie charakterisieren! Schleiereulen können über 20 Jahre alt werden Sie unterscheiden sich von den anderen Eulenvögeln auch durch eine besonders geformte Kammähnliche Kralle. Die Verwandtschaft der Eulen wird oft nicht so sehr zu den Greifvögeln sondern zu den ebenfalls nachtaktiven Schwalben gesehen, von denen die Nester mancher Arten in Südostasien als Delikatesse gegessen werden! Bitte keine Eulennester probieren!

Die meisten Eulen beginnen ihre Brutphase bei uns bereits im Winter, denn bis in das Frühjahr hinein sind die Bäume noch kahl und die ersten Mäuse daher besser zu sehen und zu jagen! Schleiereulen legen ihre Eier (ca.8-12) meist bereits im April – nach ca. 30-34 Tagen Brutzeit bleiben die Eulen noch 60-70 Tage im Nest, bevor sie davoneulen! Brutmöglichkeiten werden für die Eulen immer seltener – daher gehen sie auch im Bestand zurück! Man kann die Eulen durch das Angebot von Brutkästen fördern und damit auch recht gut beobachten!

Viel Spaß beim Bau der Kästen wünscht Euch Euer Frank!
 

Eulenkästen

Hier ein paar Standardmaße für Eulenkästen: Generell sollte das Einflugloch nie zu groß sein, damit potentielle Feinde wie Marder, Katzen oder größere Eulen nicht hinein können!

Schleiereule

Große Kästen oder abgetrennte Dachbodenbereiche – die Einflugsöffnung außen: Höhe ca. 42-50 cm, Länge ca. 100-120 cm, Tiefe ca. 55-65 cm. Einflugsöffnung: ca. 15 cm breit, 20 cm hoch, 10 cm von den Kanten des Kastens entfernt. Sehr nützlich: Trennwand, die einen vom Eingang zur eigentlichen Bruthöhle ergibt. Gangbreite etwa 20 cm.

Waldkauz

„Typische Kästen“ mit Dach. Dach kann „angeschrägt“ sein für besseren Wasserablauf Höhe ca. 50 cm, Tiefe ca. 43-50 cm, Frontbreite 43-50 cm, Fluglochdurchmesser etwa 12-13 cm

Steinkauz

Röhrenkästen – für gute Belüftung durch Bohrungen sorgen! Ein schmaler Gang hinter dem seitlich liegenden Einflugloch, der an der anderen Frontseite in die Kammer führt, verhindert, dass Marder in den Kasten eindringen können! Höhe ca. 20-22 cm, Länge ca. 80-100 cm, Frontbreite 20-25 cm. Beim Steinkauz sorgen ein enger „Holzrost am Boden“ und darunter befindliche Löcher für eine bessere Belüftung, da die Tiere oft Nahrungsreste in der Höhle liegen lassen!

Eulenaktion zum mitmachen

Scheunenböden, Kirchturmräume/Dachböden im ländlichen Raum erkunden und nach Gewöllen suchen! (Natürlich Besitzer fragen).

Kästen bauen – eventuell mit verschließbarem abgedunkelten Guckloch versehen z.B. können bei der Schleiereule Kameraaufnahmen gemacht werden.

Die Gewölle können zu verschiedenen Zeiten gesammelt werden – wenn man sie in größerer Menge und regelmäßig sammelt, kann man etwas über das jahreszeitliche Beutespektrum lernen! Die Gewölle mit heißem Wasser übergießen und danach auf einem Teller präparieren. Nadeln und Pinzette nicht vergessen! Es empfiehlt sich, die Schädel und Knochen großer Gewölle einzeln aufzubewahren – so kann man später teils komplette Skelette von Kleinsäugern erhalten! Eventuell kann man Knochen auch mit H2O2-haltiger „Haarbleiche“ aufhellen! Skelette können auf stoffbezogenen Platten /Pappen mit Fäden festgenäht und ausgestellt werden. Bei der Benennung der Knochen lernt man greifbar etwas zur Wirbeltieranatomie!

Einen Waldkauz-Kasten sollte man etwas versteckt in einer Baumkrone, vielleicht am Waldrand aufhängen. Etwa 5-10 m hoch. Es empfiehlt sich, zuerst eine leichte Aufhängung zu konstruieren und zu befestigen, an der der Kasten dann im Baum einfach angeklinkt werden kann. Es macht Freude, die neuen Mieter in der Dämmerung beim Jagdausflug oder in der Brutphase zu beobachten... da ist viel los am Nest!
 

Eulenquiz

Na, gut aufgepasst?
  • Wieviele Eulenarten sind weltweit bekannt?
  • Wie alt können Schleiereulen werden?
  • Wann beginnt die Schleiereule mit dem Brüten?
  • Wieviele Jungen hat ein Eulenweibchen im Durchschnitt?
  • Mit wieviel Monaten werden junge Schleiereulen flügge?
  • Woran kann man erkennen, was Eulen fressen?
  • Weshalb ist die Schleiereule bei uns gefährdet? – nenne mehrere Gründe!
  • Aufgabe: Male eine Eule!
  • Was ist ein „Gewölle“?
  • Welche einheimischen Eulenarten kennst Du?
  • Welche Eule ruft: „Kiwuitt, kiuwitt und wurde wegen dieses „Totenrufes, der oft auf Friedhöfen zu hören war, verfolgt?
  • Welche einheimische Eule ruft: Hu -- huhh... hu hu hu huhh!
  • Welche Eulenart ist die kleinste Eule?
  • Welche Eulenarten werden bei „Harry-Potter“ im Film gezeigt?
  • Was ist die größte der 13 einheimischen Eulenarten?

Viel euligen Spaß!
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