18.11. Wind und Wetter im Herbst

Ist Luft nichts?

An manchen Tagen im Herbst bleibt einem nichts anderes übrig, als sich in eine dicke Jacke zu mummeln und sein Gesicht in einem kuscheligen Schal zu vergraben, wenn man mutig genug ist, den Weg nach draußen, trotz des kalten Windes zu wagen. Weil ich heute aber mal so richtig faul bin, lausche ich lieber den quietschenden Geräuschen der Geigenstunde der Nachbarstochter, die vom Wind quer über die Straße durch mein offenes Fenster getragen werden. Und wenn mich nicht alles täuscht, weht von dort auch der Geruch von frisch gebackenen Plätzchen herüber. Da bekomm' ich sofort Hunger und schmeiße gleich den Ofen für eine Tiefkühlpizza an. Während die Luft darin mein Essen erhitzt, habe ich ein paar Minuten Zeit mich an das letzte Rangertreffen zu erinnern, denn da drehte sich auch alles um das Thema Luft und Wind. Gerade in dieser Jahreszeit passt das ja: Der Wind pfeift durch die Straßen und schüttelt die bunten Blätter von den Bäumen ab. Er sorgt aber auch dafür, dass wir unsere Drachen in den Himmel steigen lassen können und dass die heiße Schokolade viel besser schmeckt, wenn man von einem gemütlichen Platz aus zusehen kann, wie die Wolken vorbei gejagt werden und sich die Bäume, wie von unsichtbarer Hand gepackt, bewegen.

Doch wie kann Luft so viel Kraft haben? Wie kann sie Baumriesen mit samt ihrem Wurzelwerk ausreißen, wie wir es auf der Pilzwanderung gesehen haben? Wie kann sie ganze Dächer abdecken, obwohl wir sie oft nicht einmal spüren? Warum können wir ohne zu atmen nicht leben? Und warum ist das Vertrauen von Flugzeugpassagieren und Fallschirmspringern in die Eigenschaften der Luft so unerschütterlich?

Diesen Fragen sind wir bei einem unserem letzten Treffen nachgegangen.

Mit dem Betreten unseres Labors im Martin-Luther Gemeindehaus ist jeder Ranger zum Forscher geworden, mit dem gemeinsamen Ziel die Geheimnisse des unsichtbaren Elements zu ergründen.

Da für einige Experimente die Verwendung von verschiedenen Chemikalien, die in keiner Küche fehlen, und auch der Einsatz von Feuer nötig war, haben wir uns selbst einen Forscherkodex auferlegt. So konnten wir sicher sein, dass das Gemeindehaus auch nach unserem Treffen noch steht.

Und dann ging's auch schon los!

Jedes Forscherteam arbeitete selbstständig an einer Station und nach einem durchdachten Versuchsaufbau waren alle Sinne gefragt. Ganz bewusst wurde Luft hör- seh- und fühlbar gemacht und die Versuchsprotokolle mit jeder neuen Erkenntnis ein Stück erweitert. Wir stellten fest, dass Luft eine erstaunliche Kraft haben kann und von fast keinem Hindernis aufzuhalten ist. Sie kann Gegenstände zum Schweben bringen und hat sogar Macht über das Feuer, denn sie kann es ersticken oder aus einer winzigen Flamme in Sekundenschnelle einen gefährlichen Brand entfachen... zum Glück hatten alle Forscher das Experiment hervorragend im Griff.

In Verbindung mit Wasser kann Luft auch als Magnet wirken. Diesen Versuch findet ihr zum Nachmachen auf dem Bild oben. Mit ein paar Chemikalien, die hier aus patentrechtlichen Gründen nicht genannt werden können, ist es den ehrgeizigen Forschern sogar gelungen, Luft selbst herzustellen. Der Beweis dafür war ein Luftballon, der sich, über eine Flasche gespannt, durch eine chemische Reaktion aufgeblasen hat. Damit hat sich die Vergabe des Nobelpreises für 2018 schon an diesem 18. November entschieden. Auf den ersten Blick sah es so aus, als hätten wir eines der größten Probleme der Menschheit gelöst und könnten von nun an auf die Photosynthese verzichten und aus allen Bäumen schöne Möbel herstellen.

Aber die entstandene Luft war kein Sauerstoff, das heißt, dass kein Tier und kein Mensch sie atmen kann. Und damit wurde uns auch klar, dass wir trotz allem Forschen und Erfinden das schützen müssen, was uns das Leben überhaupt ermöglicht: Unsere Natur!

Als schon die ersten Chauffeure zum Abholen der Forscher das Labor betraten, kam einer der jungen Wissenschaftler gerade aus der Toilette, wo er eine bahnbrechende Entdeckung gemacht hatte: Luft ist auch riechbar!

Apropos Geruch... riecht hier nicht etwas verbrannt?