20 Jahre Sielmanns Natur-Ranger – Akener Bummi-Kita feierte Jahrestag

Insektenschutzwand, Futterkästen für Eichhörnchen, Schmetterlingswiese, Collage zum Thema Artenvielfalt am Magdalenenteich – die Liste der kleinen Projekte ist lang, die die kleinen und großen Natur-Ranger des Teams Aken seit 1998 realisiert haben.

Naturschutz vor der Haustür quasi ist das Ziel, das Regina Gerhards zusammen mit der Akener Kita Bummi verfolgt. Gefördert von der Heinz-Sielmann-Stiftung, agieren Teams der Natur-Ranger deutschlandweit. Das Team Aken allerdings ist das einzige in Sachsen-Anhalt. „Wöchentlich eine Stunde werden die Kinder, die demnächst eingeschult werden, an das Thema Umwelt und Natur herangeführt“, so Simone Franke, die die Kita leitet. „Auch wir als Kita sind Mitglied der Sielmann-Stiftung.“ Vor einigen Jahren hat man auch einige Preise für das Engagement abgeräumt. Vom Land, von der Kreissparkasse… zahlreiche Urkunden und Zeitungsartikel belegen Teilnahme wie Erfolge.

In letzter Zeit allerdings ist das nicht mehr so. „Früher haben viele sich was Tolles einfallen lassen, um den Naturschutzgedanken zu fördern“, erinnert sich Regina Gerhards, „jetzt gibt es keine Umweltpreise mehr.“ Jedenfalls nicht in überschaubarem Rahmen, wo man auch die Chance hat zu gewinnen, wie Simone Franke ergänzt.

Letztlich sind Preise zwar Motivation. Doch der Hauptgewinn ist schließlich, Menschen so jung es geht an die Natur heranzuführen. Die Fragen werden immer drängender. Plastikmüll in den Weltmeeren, Vogel- und Insektensterben, Gifte auf den Äckern, Massentierhaltung… Themen gibt es mehr als genug, die man beackern kann. Und damit man nicht „erschlagen“ wird von all dem bedrohlich Wirkenden, ist es am einfachsten, jeder fängt vor der eigenen Haustür an. Der Natur – und damit uns – nützt es herzlich wenig, wenn der Nachwuchs Auto- und Kleidermarken voneinander unterscheiden kann, aber scheitert, wenn er eine Eiche von einer Fichte unterscheiden soll. Wem also gehört denn die Feder, die irgendein Vögelein justament auf dem Kita-Spielplatz verloren hat? Warum sehen die Blätter von verschiedenen Bäumen so unterschiedlich aus? Welche Insekten freuen sich denn nun, dass ihnen eine ganze Wand gebaut wurde, in der sie wohnen und überwintern können? Welche Vögel besuchen das Vogelhäuschen, und was fressen sie?

Die Wege, Menschen jeden Alters an die Natur heranzuführen, sind mannigfaltig. „Das große Thema letztes Jahr war der 100-ste Geburtstag von Heinz Sielmann“, berichtet Regina Gerhards. Und da gab es eben nicht nur eine Geburtstagsfeier nebst –torte, sondern ein „Autokino“, in dem man den filmischen Nachlass des großen Naturfilmers kennen lernen konnte. Allerdings war das Kino auf keinem Parkplatz, kein Benzin wurde verbrannt – nein; mit Rollern, Dreirädern und Tretautos hatte man sich im großen Mehrzweckraum versammelt und konnte dort vom eigenen Fahrzeug aus den cineastischen Erlebnissen folgen.

„Nur was man kennt, kann man auch lieben lernen – und schützen wollen“, fasst Regina Gerhard das Anliegen zusammen, das sie in der Kita verfolgt. Über 200 Kinder konnten in den letzten beiden Jahrzehnten über die Natur-Ranger die Chance wahrnehmen, ihre Liebe zur Natur und damit zu dem zu entdecken, dem wir entstammen und ohne das wir nicht existieren können. Und so wurde auch am Jahrestag Kino veranstaltet, es gab naturbezogene Spiele – und das alles nach einem gemeinsamen Frühstück.

Natürlich ist das kleine Team letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es geht nicht ohne die vorgelebte Achtsamkeit der Eltern, die Weisheit der Lehrer und das Beispiel der Kameraden, wenn es wirklich eines Tages wieder mit einer intakten und lebenswerten Umwelt klappen soll. Damit auch die Bummi-Kinder nicht allein eine Erinnerung an ihre Natur-Ranger-Zeit haben, sondern die Liebe zum Mitgeschöpf für ihr ganzes Leben in sich tragen und auch ihren Kindern und Enkeln etwas davon zeigen können, wenn es dereinst einmal so weit ist. Nur wer sät, kann auch eines Tages ernten. Und Empathie, Wissen und Interesse in die Kinderköpfe pflanzen – das leisten die Akener Natur-Ranger inzwischen schon 20 Jahre in der zuversichtlichen Hoffnung, dass diese Saat auch aufgehen wird.

Heinz Sielmann (2.6.1917 – 6.10.2006) war Tierfilmer, Kameramann und Publizist. Expeditionen führten ihn u.a. nach Belgisch Kongo, auf die Galápagos-Inseln und nach Papua-Neuguinea. Von 1965 bis 1991 moderierte Sielmann die Tiersendung „Expeditionen ins Tierreich“, in denen er überwiegend eigene Dokumentationen zeigte und dadurch den Problemen des Artenschutzes ein Gesicht gab. Die von ihm gegründete Stiftung existiert seit 1994 und hat den Leitsatz: „Naturschutz als positive Lebensphilosophie“.